Fahrrad Zuendapp Silverline 3 0 kleinEin neues Rad musste her und viel kosten sollte es nicht. Der erste Gedanke war, einen Gang zu Real zu wagen und zu schauen, was dort angeboten wird. Tatsächlich standen dort einige Räder, die regelrecht zu Kampfpreisen angeboten werden. Nach kurzer Überlegung fiel die Wahl auf ein Trekking-Rad von Zündapp, Silver 3.0. Dieses war runtergesetzt von knapp 400€ auf sage und schreibe 299,00€. Doch was kann so ein Rad leisten und "taugt" es überhaupt was? Hier folgt ein fortlaufender Langzeittest, Beginn Anfang Mai 2016.

Meine Voraussetzungen

Ich bin kein Fahrrad-Freak und habe eigentlich nur einen Drahtesel gebraucht, der mich von A nach B bringt. Sei es durch die Stadt oder durch den Wald. Es sollte also weder ein einfaches Stadt-Fahrrad sein, noch ein Mountainbike. Ideal erschien mit da ein Trekking-Rad. Ich muss auch zugeben, dass ich mich mit Fahrrädern überhaupt nicht auskenne. Meine Ansprüche waren also denkbar gering. Es sollte einfach fahren und wenig kosten. Als ich dann das Zündapp-Fahrrad zu DEM Preis sah, war ich erst verwundert. Beim Namen Zündapp schwingt irgendwie die gute alte deutsche Firmennostalgie mit. Haben die nicht mal Mopeds gebaut? Der Name reiht sich für mich ein in altehrwürdige Marken wie Kreidler, AEG, Telefunken, Grundig, Schwalbe etc. Einige davon gibt es nicht mehr. Ein Bekannter von mir bremste mich da aber etwas in meiner Euphorie aus und meinte, dass sei nur noch der Name und hat wenig mit der Firma von damals zu tun. Ich habe diesbezüglich nicht weiter recherchiert.

Auch hatte ich mir kein bestimmtes Budget gesetzt. Mir ist aber klar, dass solch günstige Fahrräder irgendwo ihre Schwächen haben müssen. Diese möchte ich nun herausfinden und hier niederschreiben. Vielleicht werde ich aber auch positiv überrascht?! Wir werden sehen. Der unschlagbare Vorteil von solch günstigen Böcken ist jedoch: sie sind nicht wirklich begehrtes Diebesgut. Einige Bekannte von mir haben teure Mountainbikes, einige davon wurden gestohlen. Letztens wollte ein Bekannter von mir nicht zu einem Event radeln, weil er Angst um sein Rad hatte. Sowas will ich nicht haben müssen! Mein Rad soll ein Gebrauchgegenstand sein und ich will weder Angst haben, dass es mir geklaut wird, noch will ich darauf achten, dass kein Kratzer in den Lack kommt. Es soll halbwegs funktionieren und ich will mir wenig Gedanken darum machen. Wenn mir als das Zündapp-Fahrrad geklaut wird, ist das halb so wild. Kauf' ich ein neues. Oder ein anderes. Und wenn es mir im Zuge dieses Tests auseinanderfällt - auch okay.

Der Kauf

Die Wahl fiel also sehr schnell - ich glaube in weniger als 10 Minuten - auf das Trekkingrad Silver 3.0 von Zündapp. Die Räder stehen bei Real vormontiert, d.h. einige Schrauben muss man selbst noch nachziehen. Der Lenker ist in Querstellung, die Pedalen baumeln in einer Tüte am Sattel. An der Kasse fragte ich, ob Real einen Montageservice bietet, so dass ich gleich heimradeln kann. Die nette Dame verneinte, mit dem Hinweis, dass Real dafür gar nicht versichert sei und sie das deswegen nicht anbieten. Wenn mir was passieren würde, könnte ich Real also dafür haftbar machen, was sie nicht wollen. Allerdings holte sie eine Kiste mit passenden Werkzeugen hervor. Ich könne das selbst machen. Ich pumpte also die Reifen an der Servicetheke auf und brachte den Lenker in die richtige Stellung. Die Montage im Real war mir dann aber doch irgendwann zu blöd und ich erledigte den Rest zu Hause.

Recherche im Nachgang

Ich wollte dann doch wissen, was es mit diesem Zündapp-Fahrrad auf sich hat. Taugen die Supermarkt-Fahrräder was? Ich las also verschiedene Seiten im Netz durch und danach war meine Euphorie definitiv gedämpft. Von "neuwertigem Schrott" oder von "fabrikneuem Sperrmüll" oder so ähnlich war da die Rede. Allerdings war ich auch auf Seiten und in Foren unterwegs, wo eben jene sehr anspruchsvollen Kenner waren. Neulinge oder Unwissende, die dort Fragen stellten, werden erstmal rundgemacht. Als Laie hat man da schon gar keine Lust, Fragen zu stellen, also las ich rein passiv. Außerdem hätten die mir eh abgeraten und ich hatte das Zündapp-Fahrrad ja immerhin schon... Und ich glaube, wenn man da offen zugibt, dass man sich so einen billigen Supermarkt-Bock geschossen hat, wird man gleich gesperrt ;) Es wird empfohlen und gefachsimpelt bis zum geht nicht mehr. Am Ende wird einem dann zu einem Rad jenseits der 1.000€ geraten, weil alles andere ja Schrott sei. Aber mir ist es ehrlich gesagt völlig wurscht, ob Schweißnähte nun glatt sind oder nicht, ob mein Fahrrad nun 15, 17 oder 19 kg wiegt. Der Bock soll einfach nur eine gewisse Zeit seinen Dienst tun und wenig kosten!

Komponenten am Zündapp-Fahrrad

Es sieht schon echt schick aus, das muss man lassen! Aber gutes Aussehen muss nicht zwangsläufig mit guter Qualität einhergehen. Ob die Qualität trotzdem gut ist, wird dieser Test zeigen. Ich lasse mich trotzdem blenden und bin erst einmal begeistert. Tolles Ding! Folgende Komponenten sind verbaut:

  • 28 Zoll
  • Rahmen aus Aluminium
  • Shimano-Kettenschaltung mit 21 Gängen
  • LED-Beleuchtung
  • Klingel
  • Gepäckträger mit Spanngurt
  • Gewicht ca. 19 kg
  • eine Art Gelsattel (?)
  • verkehrssichere Ausstattung

Die erste Radtour

Am nächsten Tag (07.5.2016) sollte die Jungfernfahrt stattfinden. Das Wetter war vorsommerlich und lud regelrecht zu einer Spritztour ein. Wir bewaffneten uns mit Wanderkarte, Getränken und Obst, was wir im Fahrradkorb verstauten und fuhren los. Am Ende des Tages waren es über 35 km und die Route hatte alles zu bieten: Straßen, gut ausgebaute Waldwege, schlechte schmale Waldwege mit Schlaglöchern und hochstehenden Wurzeln, Schotterwege und dazu noch ordentlich Steigung zwischendurch. Ich war alle, da ich gut drei Jahre nicht mehr auf dem Rad gesessen habe. Das Rad hat sich auf seiner ersten Tour jedoch richtig gut geschlagen. Ich bin stolz! Der einzige "Mangel" von Anfang an: Das rechte Gestänge der Pedale schleift bei jeder Umdrehung am Kettenschutz aus Plastik. Das nervt, aber irgendwann hört man das Schleifen auch nicht mehr. Muss mal schauen, wie ich das hinbiegen kann.

Fazit - bis jetzt

Das Fazit fällt bis jetzt sehr kurz aus: Bis auf das Schleifen am Kettenschutz alles top! Das Rad hält, ist angenehm zu fahren und wird meinen Ansprüchen vollkommen gerecht.

Update September 2016

Ein alter Bekannter war zu Besuch und er ist zufällig (wirklich, ist nicht erfunden!) Zweiradmechaniker. Naja, was soll ich sagen, seine Reaktion war sowas zwischen "perplex", "verdutzt" und "ratlos", warum ich mir so einen "Müll" gekauft habe. Ich schilderte ihm meine Beweggründe und er fand es irgendwie spaßig. "Naja, Dein Ding.", meinte er und lachte. Ob er mal eine Spritztour machen könne, weil sowas hätte er schon eine Weile nicht in den Fingern gehabt. Dummerweise ist genau IHM die Kette unterwegs abgesprungen, mindestens in die Schaltung solle ich nochmal was investieren. Das Fazit des Fachmanns fiel denkbar mager aus. Aber auch davon lasse ich mich nicht beirren. Es geht weiter!

Update März 2017

Hier ein kurzer Zwischenstand: Das Rad hält immer noch! Es ist emsig in Benutzung und geklaut wurde es auch noch nicht. Einzig das Kabel vom Dynamo vorn ist beim Abmontieren des Vorderrades aus der Fassung gerutscht. Das scheint gesteckt zu sein aber es will nicht mehr halten. Mit fehlt auch im Moment die Zeit, mich darum zu kümmern. Vielleicht lasse ich es machen.

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